Nach der Schule sind wir wie so oft mit der halben Klasse nach Hause gefahren und haben mal wieder gezeigt, dass man auch zu zwölft auf zwei Viererplätze passen kann. Besonders bei so warmen Temperaturen kann ich mir nichts schöneres vorstellen...
Kurz bevor man Hauptbahnhof in den Tunnel einfährt ist rechts eine Mauer mit weinrotem Geländer, die höher wird, je näher man dem Tunnel kommt. Ist ja auch logisch, man fährt ja tiefer nach unten...
Bei einer Höhe von ca. 3-4 Metern hing eine Frau.
Bahare hat sie glaube ich zuerst gesehen, aber der Zug fuhr langsam genug, damit wir sie alle noch mal sehen konnten. Wenn nicht, hätt ich ihr auch nicht geglaubt. Die Frau hatte ein knall rotes T-Shirt an, hielt sich am unteren Ende des Geländers fest und zappelte. Mit einem Mal kam eine unheimliche Hektik auf, da wir nicht so wirklich wussten, was wir machen sollten. Ein Teil wollte Hauptbahnhof aussteigen und zu ihr laufen, der andere Teil war unentschlossen. Zu der Hektik kam, dass der Bahnfahrer vergessen hatte, das Licht im Waggon anzumachen, bevor er in den Tunnel fuhr. Im Dunkeln wuselten wir nun also alle unentschlossen durch den Wagen. Wie in einem Ameisenhaufen...
Am Hauptbahnhof gab es dann auch wieder Licht. Bis auf zwei sind wir restlichen erstmal rausgestürmt und wuselten für etwa eine halbe Minute weiter orientierungslos über den Bahnsteig. Keiner wusste so recht was zu tun war.
Bettina war die Einzige, die auf die Idee kam, den Bahnbeamten -die direkt vor uns standen- bescheid zu sagen. Die haben schon nach dem Satz "da hängt eine Frau an der Wand. Vor dem Tunnel" den gesamten Bahnverkehr im Hauptbahnhof gestoppt und sind losgelaufen.
Jetzt hätte ja eigentlich unser Gewusel aufhören müssen, aber nein, jetzt mussten wir uns ja auch noch entscheiden, ob wir wieder zurück in unsere Bahn steigen, die noch da stand, weil sie immer auf die S1 wartet, oder am Bahnsteig bleiben, um zu gucken, was noch so passiert.
Es war schwer, sich mit den sechs oder sieben Leuten, die am Hauptbahnhof normalerweise nicht umsteigen, in so kurzer Zeit zu einigen. Also sind wir wieder laut und wild durcheinander gelaufen und letztendlich kurzfristig in die Bahn gesprungen.
Bettina, Bahare und Janine mussten länger am Hauptbahnhof bleiben, da durch den eingestellten Bahnverkehr ihre Anschlussbahnen nicht mehr fuhren.
Sie haben aber das Mädchen im roten T-Shirt noch gesehen. Sie war nicht älter als wir und hat wirklich versucht sich umzubringen.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen